Bundesweite Plattformen, große Werbebudgets, Millionen Seitenaufrufe: Die Immobilienvermarktung wirkt heute oft wie ein Wettbewerb um Reichweite. Die Redaktion des IMMOMAKLER magazins sieht den eigentlichen Vorteil für Eigentümer an einer anderen Stelle, nämlich beim Wissen über den eigenen Ort. Ein Kommentar über den Wert des Maklers vor Ort.
Ein Haus wird in seiner Straße verkauft
Jede Immobilie hat eine Adresse, und diese Adresse bestimmt einen großen Teil ihres Werts. Zwei Häuser mit gleicher Wohnfläche, gleichem Baujahr und ähnlicher Ausstattung können sehr unterschiedliche Preise erzielen, wenn das eine am ruhigen Ortsrand mit Blick auf die Felder steht und das andere an einer Straße, über die morgens der Pendlerverkehr rollt. Solche Unterschiede kennt, wer seit Jahren in einer Region unterwegs ist.
Ein Makler vor Ort weiß, in welchem Viertel junge Familien bevorzugt suchen, weil Grundschule und Kindergarten zu Fuß erreichbar sind. Er weiß, welche Siedlung aus den Sechzigern gerade einen Generationenwechsel erlebt und welche Neubaugebiete in den kommenden Jahren entstehen. Er kennt die Bodenrichtwerte, aber auch die Lagen innerhalb einer Richtwertzone, die Käufer besonders schätzen oder eher meiden.
Dieses Wissen steht in keiner Datenbank vollständig, es entsteht über Jahre im direkten Kontakt mit Eigentümern, Käufern und Behörden. Aus Sicht der Redaktion ist es das wertvollste Kapital eines Maklers und der Grund, warum die regionale Verankerung bei der Auswahl so viel Gewicht verdient.
Was Reichweite leisten kann und wo ihre Grenzen liegen
Reichweite hat ihren Platz. Große Immobilienportale bringen Angebote zu sehr vielen Suchenden, und für manche Objekte ist eine überregionale Vermarktung genau richtig, etwa für ein besonderes Anwesen, ein Ferienhaus in gefragter Lage oder ein Mehrfamilienhaus, das Kapitalanleger aus dem ganzen Land interessiert. Gute regionale Makler nutzen diese Kanäle selbstverständlich auch.
Für die meisten Häuser und Wohnungen sieht die Wirklichkeit allerdings anders aus. Wer eine Doppelhaushälfte in einer Kleinstadt oder eine Eigentumswohnung in einem bestimmten Stadtteil sucht, kommt meist aus der Umgebung. Er möchte in der Nähe seines Arbeitsplatzes, seiner Familie oder seines Freundeskreises bleiben. Diese Käufer erreicht man über Portale, ja. Man erreicht sie aber besonders gut über ein Netzwerk, das über Jahre gewachsen ist: über vorgemerkte Suchende, Empfehlungen, Kontakte zu Banken und Finanzierungsberatern aus der Region.
Hinzu kommt ein Gedanke, der oft zu kurz kommt. Je mehr Anfragen eine Anzeige erzeugt, desto wichtiger wird das Filtern. Hundert Anfragen helfen Eigentümern wenig, wenn darunter nur drei Interessenten sind, die das Haus wirklich kaufen können und wollen. Wer den regionalen Markt kennt, erkennt schneller, welche Anfrage ernst gemeint ist und welche Erwartungen realistisch sind.
Preise, die im Ort entstehen
Am deutlichsten zeigt sich der Wert regionaler Kenntnis bei der Preisfindung. Online-Bewertungen und überregionale Modelle arbeiten mit Durchschnittswerten. Sie sind nützlich für eine erste Orientierung, stoßen aber an Grenzen, sobald es um die Besonderheiten eines konkreten Hauses geht. Gerade in kleineren Gemeinden mit wenigen Verkäufen im Jahr ist die statistische Basis dünn.
Ein Makler vor Ort ergänzt die Daten um Erfahrung. Er weiß, zu welchem Preis das Nachbarhaus vor zwei Jahren tatsächlich verkauft wurde, wie lange eine vergleichbare Wohnung im Stadtteil auf dem Markt war und welche Rolle der Zustand der Heizung zuletzt in Verhandlungen gespielt hat. Er hat ein Gefühl dafür, wann ein Angebotspreis Interesse weckt und wann er Käufer abschreckt.
Die Folgen sind konkret. Ein zu hoher Angebotspreis führt zu langen Vermarktungszeiten und späteren Preissenkungen, ein zu niedriger verschenkt Wert. Eine Einschätzung, die auf lokaler Erfahrung beruht, verringert beide Risiken. Für Eigentümer ist das ein handfester Vorteil, der sich am Ende im erzielten Kaufpreis zeigt.
Nähe als Dienstleistung: Erreichbar sein, wenn es darauf ankommt
Ein Immobilienverkauf besteht aus vielen kleinen Schritten, und manche davon lassen sich schlecht aus der Ferne erledigen. Besichtigungen, ein kurzfristiger Termin mit dem Gutachter der Bank, die Übergabe der Schlüssel an Handwerker, ein Gespräch mit dem Nachbarn über eine Grenzbebauung. Ein Makler, dessen Büro nur wenige Minuten entfernt ist, kann solche Aufgaben unkompliziert übernehmen.
Besonders wertvoll ist diese Nähe für Eigentümer, die selbst nicht am Ort wohnen, etwa Erben aus einer anderen Stadt oder ältere Menschen, die bereits umgezogen sind. Sie brauchen einen Partner, der sich verlässlich um die Immobilie kümmert und regelmäßig berichtet. Regionale Makler kennen zudem die örtlichen Ämter, Notariate und Handwerksbetriebe und wissen, wie lange es dauert, eine Bauakte einzusehen oder eine Flurkarte zu beschaffen.
Was einen guten Makler vor Ort aus Sicht der Redaktion auszeichnet:
- Er ist seit Jahren in der Region tätig und kennt ihre Lagen und Preise im Detail.
- Er pflegt eine Kartei vorgemerkter Suchender aus der Umgebung.
- Er ist persönlich erreichbar und führt Besichtigungen selbst durch.
- Er hat Kontakte zu Notaren, Banken, Sachverständigen und Handwerkern vor Ort.
- Er begründet Preise mit Verkäufen aus der Nachbarschaft.
- Er ist in der Region bekannt und hat dort einen Ruf zu verlieren.
Vertrauen wächst dort, wo man sich begegnet
Der letzte Punkt der Liste verdient besondere Beachtung. Ein Makler, der in seiner Stadt lebt und arbeitet, begegnet seinen Kunden beim Bäcker, auf dem Wochenmarkt, beim Sportverein. Seine Arbeit spricht sich herum, im Guten wie im Schlechten. Diese Sichtbarkeit wirkt wie eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Sorgfalt, denn jeder unzufriedene Verkäufer ist auch ein Nachbar.
Viele regionale Büros leben zu einem großen Teil von Empfehlungen. Ein Verkäufer, der zufrieden war, erzählt es Freunden und Verwandten, und Jahre später ruft deren Familie an, wenn das Elternhaus verkauft werden soll. Dieses Geschäftsmodell funktioniert nur, wenn die Arbeit dauerhaft gut ist. Für Eigentümer ist das eine beruhigende Grundlage. Wer sich vor der Beauftragung umhört, erfährt im Bekanntenkreis oder in der Nachbarschaft oft schnell, welche Büros vor Ort einen guten Namen haben und wie sie mit früheren Verkäufern umgegangen sind. Solche persönlichen Erfahrungen ergänzen Online-Bewertungen auf wertvolle Weise. Weitere Kriterien, mit denen Sie den richtigen Immobilienmakler finden, bündelt unser Ratgeber.
Natürlich kann auch ein überregional tätiges Unternehmen gute Arbeit leisten, und viele tun das. Wir halten es jedoch für sinnvoll, dass Eigentümer bei der Auswahl gezielt danach fragen, wer ihre Immobilie konkret betreut, wie gut diese Person den Ort kennt und wie oft sie selbst vor Ort sein wird. Die Antworten darauf sind aus unserer Sicht aussagekräftiger als jede Zahl zur Reichweite.
Unsere Haltung: Der Ort gehört in den Mittelpunkt
Immobilien sind ortsgebunden, ihr Wert entsteht aus Lage, Nachbarschaft und regionaler Nachfrage. Es liegt nahe, dass auch die Beratung dort am besten gelingt, wo diese Faktoren bekannt sind. Für Eigentümer, die verkaufen, bewerten lassen oder ein Erbe regeln möchten, ist ein Makler mit tiefer Ortskenntnis aus Sicht der Redaktion in den meisten Fällen die beste Wahl.
Genau deshalb stellt das IMMOMAKLER magazin Immobilienmakler aus ihren Regionen vor, vom Immobilienmakler in Ulm über den Immobilienmakler in Zirndorf bis zu den Immobilienmaklerinnen in München und Rosenheim. In Porträts und Expertenbeiträgen zeigen wir, wer hinter den Büros steht, welche Orte sie betreuen und wie sie arbeiten. Eigentümer finden dort einen guten Ausgangspunkt, um den passenden Ansprechpartner in ihrer Nähe kennenzulernen.